Volle Distanz. Näher zu dir
Dominik Leitner

Einundzwanzig. Provinzverliebt. Teilzeitstudent. Autor eines ungeschriebenen Buches. Hauptberuflich gedankenverworren. Wochenendpendler. Verliebt in das Leben. Punkt.

Search

July 15th, 3:49am 0 comments

Zeit, dass sich was dreht.

»Wie weit fährst du?«, fragt mich die junge Frau schräg gegenüber. Sie hat scheinbar keine Lust, still zu sein.
- »Wien. Und- ... und du?«
»Mal sehen. Keine Ahnung.«
- »Das ist ja mal eine Ansage.« 

Ich muss grinsen. Das gefällt mir.

Die Stille hier soll man jetzt nicht falsch interpretieren. Nein, leider habe ich nicht die vergangenen drei Monate unentwegt an Volle Distanz. Näher zu dir geschrieben. Auch wenn ich nun schon von vielen Seiten auf den Fortschritt angesprochen wurde.

Irgendwie kümmere ich mich immer mehr um alles andere. Das Leben ist gerade wieder sehr schön. Sehr unkompliziert und wunderbar. 

Für alle, die es noch nicht wissen: 

Auf Facebook gibt es eine eigene Fanpage zu meinem Buchprojekt. Und falls du immer irgendwie up2date bleiben möchte, klicke einfach auf Gefällt mir.

So einfach geht es, damit alle neuen Einträge in deinem Facebook-Newsfeed auftauchen. Vielleicht  

Posted
March 6th, 5:48am 0 comments

Erster Satz.

Ich schreibe wieder weiter. Wobei ich eigentlich zugeben muss, dass ich wieder vollkommen von vorne beginne. Aber es gibt einen Unterschied zu meinen unzähligen Anfängen. Dieser hier bleibt gleich, er wird nur noch einmal, in meinem neuen Schreibstil (ja, der hat sich selbst in den letzten 5 oder 6 Monaten viel zu sehr verändert) geschrieben. Und dann geht es weiter. Ohne Widerrede. Und als Ersteindruck mein aktueller erster Satz des Buches:

Heute ist gestern vor zwei Jahren.

Also ich find' den super.

Posted
February 23rd, 1:15pm 0 comments

Frohen Mutes

Die aktuellen Umstände (Nicht schon immer und A victim of a dirty good time) spornen mich also weiter an. Volle Distanz. Näher zu dir wird fertiggestellt (das scheint ja jetzt sowieso schon festzustehen, nach all den netten, unterstützenden und sehr wichtigen Kommentare) und das auch noch bis Ende Juni 2010. Spätestens. Vielleicht bin ich auch schon früher fertig.

Und ja. Ich bleibe jetzt wirklich auf so vielen Bahnhofen auf all meinen Zugfahrten stehen und mache ein Foto, mal mit Digicam, mal mit dem iPhone. Finde ich eine nette Idee und unterstützend zum Grundsetting. Nachdem ich mir nun Strobo, das Buch des Bloggers Airen bestellt habe, und es schließlich erstmals in den Händen hielt, habe ich auch geschlossen, dass es nicht genau 40.000 Wörter sein müssen. Die Geschichte muss passen, egal ob sie nun kürzer oder länger ist.

Ich möchte jetzt übrigens wieder im Geheimen weiterschreiben. Die kleinen Stückchen zusammenfügen, zu etwas Großem. Hier wird es jetzt also nicht mehr ganze Auszüge geben, sondern wieder eher nur mehr kurze Häppchen, ein paar Zeilen, damit ihr das Interesse an dem Buch nicht vollkommen verliert. Aber ich glaube, das hat ja sowieso niemand vor, oder?

Seid also gespannt.
Ich bin frohen Mutes!

Posted
February 23rd, 12:49pm 0 comments

Widmung

Ich weiß schon, wem ich dieses Buch widmen werde. Ich habe es vor drei Jahren jemanden versprochen. Habe gesagt, mein erstes Buch würde ihr gewidmet werden. Vielleicht wird sie es gar nicht erfahren. Aber das habe ich eben nicht vergessen. Und ich halte mein Versprechen. Sie war und ist auch zu einem großen Teil eine Inspirationsquelle für mich. Unsere gemeinsamen Erlebnisse, unsere gemeinsame Zeit. Das muss jetzt einfach sein.

Posted
February 16th, 5:32am 0 comments

Hier sein

"Komm, rück' näher", sagt Noah und legt seinen Arm um mich.

Und mit einem Mal bestimmt plötzlich dieses unangenehme, einengende Gefühl diesen Moment. Ich fühle mich nicht wohl. So soll es nicht sein. Ich erinnere mich noch an Noahs Worte, als er von diesem fünfzehnjährigen Jungen an diesem einen Bahnhof sprach, den er einmal beobachten konnte. Er ließ seiner Freundin keinerlei Freiraum, gab ihr vielleicht einen halben Quadratmeter zum Atmen und das vielleicht nur aus pubertärer Liebe, nicht aus Bosheit. Und Noah erklärte auch, dass ihn dass auf so einige Fehler in seinen vergangenen Beziehungen aufmerksam machte und er sich schwor nie wieder so zu werden. Nicht einmal ansatzweise. Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, der Ansatz  ist bereits überschritten.

"Du, Noah?"
- "Hm?"
"Komm. Lass es sein."
- "Hm?"
"Ich ... ich brauche etwas ... Abstand, verstehst du?"

Etwas missmutig nimmt er seine Hand von meinem Körper und rückt etwas zur Seite. Er ist schnell beleidigt. Sehr schnell.

"Ach, Noah."
- "Hm?"
"Du musst jetzt nicht so tun. Ich ... ich ... ich fühlte mich einfach unwohl. Es hat gerade einfach nicht so gepasst, wie ich wollte. Es ist nichts gegen dich. Nimm es nicht persönlich, okay?"

Und ob er es persönlich nimmt. So gut kenne ich Noah nun  schon. Und obwohl er gerade eine seiner grimmigsten Blicke aktiviert hat, finde ich dieses Schmollen auch wieder unglaublich ... süß. Wobei, Männer wollen nicht süß sein, nicht nett, nicht lieb. Sagen wir es so. Ich mag es, wie er da jetzt dasitzt und mit leicht zusammengepressten Augen aus dem Fenster blickt.

"Ach, komm schon."
- "Nein, schon gut."

Ich gehe in den Frontalangriff über und blicke ihn unentwegt an. Mit einem Lächeln auf meinen Lippen und einem neugierigen Blick. Als er sich zu mir dreht und mich sieht, kann auch er nicht anders. So gut kenne ich ihn schon, ja. Und scheinbar begreift er jetzt auch.

"Gut, dass du es gleich sagst, Emily."
- "Mhm."
"Weißt du, weil manchmal erkennt man es ja selbst nicht. Ich kenn' das ja."

Ja. Noah ist vielleicht nicht so ... offen. Sagst es nicht so selbstbewusst stotternd frei raus. Aber er gibt einem auf einem anderen Weg Zeichen. In seinen Bewegungen, seinen Worten. Was jetzt nun besser ist, werde ich sicher nicht bewerten. Ich verstehe es zum Beispiel, so glaube ich zumindest sehr schnell.

"Ich, ich brauche einfach gerade. Du weißt ja. Mir gehts gerade nicht so gut. Und wo sonst immer eine Umarmung oder ein Zärtlichkeit wahre Wunder bewirkt. Da hilft heute genau das eben nicht. Ich brauche Abstand. Brauche ein paar Zentimeter zwischen uns. Ein paar Zentimeter zwischen der Welt und mir."

Noah nickt und ich weiß, dass er mich spätestens seit jetzt verstanden hat. Er ist eben nicht dieser fünfzehnjährige Junge in seiner ersten Beziehung mit diesem fünfzehn- oder vierzehnjährigen Mädchen, welches all das über sich ergehen lässt, bis es irgendwann zum Bruch kommt, zum Streit, zum Ende. Und sich dann in der Schule vermehrt ein fahler Beigeschmack dieser Beziehung breit macht, wenn er über ihre kleinen Brüste und sie über seinen kleinen Schwanz herzieht. Dinge, die wahrscheinlich beidseitig nicht stimmen. Aber dadurch fällt vielleicht das Ende leichter, ihr wisst schon.

Dann schmeißt man sich in Rage, und erzeugt einen Lügenkomplex, spricht von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, gibt sich als Wunderkind auf genau diesem Gebiet aus, und hat eben doch keine Ahnung. Und erst wenn dieser Turm zu Babel, dieser schiefe Lügen-Pisa einstürzt, ist man wahrscheinlich erst in der Lage zu trauern und zu begreifen, dass einige wenige Worte diese Beziehung hätten retten können und einige Kubikzentimeter mehr Atemluft sicherlich sehr gut getan hätten. Und dann ist es meistens zu spät, weil man schon zu viel zerstört hat, und macht sich auf die Suche nach etwas Neuem und behält diese eine Geschichte im Hinterkopf und erklärt, nie wieder in eine solche Situation zu kommen und kommt es eben doch wieder und verläuft sich in den selben Scheiß Tag für Tag.

Aber was rede ich. Die Gedanken haben sich irgendwie selbstständig gemacht. Und während ich wieder zu mir zurückkehre und, aufgrund von Müdigkeit und aufgrund von dem plötzlich wieder auftretenden Wunsch nach Nähe, meinen Kopf auf seine Schulter lege, warte ich nur noch auf den gewohnten, liebgewonnenen, zärtlichen Kuss seinerseits auf meine Haare.

 

Posted
February 10th, 12:02pm 0 comments

Handyfeuerzeug gratis dazu

“Wir dürfen uns nie sehen.”, sagt sie und ich lächle, weil ich sie gerade schon seit gefühlten Stunden anstarre, ihre Bewegungen aufsauge, ihre  Worte aus ihrem Mund in meine Ohren locke. “Wir dürfen uns nie sehen.”, wiederholt sie sich und schüttelt ihren Kopf, so, als müsse sie ihre Gedanken, ihre Worte, ihre Vorstellungen noch einmal kräftig bestätigen.

“Ich glaube, Noah, ich glaube, diese besondere Beziehung, die wir gerade leben, würde aufhören. Wenn wir uns einmal in der Außenwelt treffen würden, wäre der Zauber vorbei. Und wir werden uns auch nie anrufen, oder auf Facebook oder was auch immer als Freund hinzufügen. Weißt du, Noah, sowas haben wir nicht nötig. Das wäre so 2009.”
- “Und das sind wir nicht. Wir sind anders. Hach.”

Emily blickt mich an, verdreht die Augen, nimmt meine rechte Hand und zieht mich zu ihr ran. “Du nimmst mich nicht Ernst, nicht wahr, Noah?” Puh. Wieder einmal wäge ich ab, ob ich mir jetzt für den harten, zerstörerischen Weg der Ehrlichkeit entscheiden soll, oder mich hinein in eine fruchtbare Notlüge flüchten soll. Aber schließlich kommt mir noch ein anderer Ausweg in den Sinn. “Warum? Warum, Emily, sollen wir das tun? Warum sollten wir uns selbst hier einsperren. Unsere Beziehung zu einer Beziehung des Extremen machen?” Das ist mein Ernst. Welche Sinn hat es, sich jede Woche für eine oder zwei Stunden zu treffen und in diesen sechzig bis einhundertzwanzig Minuten zu versuchen, sich nah zu sein? Ich möchte sie anrufen, um ihr von meinen Erlebnissen zu erzählen, möchte sie unnötigerweise auf Facebook anstupsen und sie täglich in den Schlaf skypen. Ich möchte mir ihr genau dasselbe Verhältnis haben, wie ich es mit sonst einem jeden Menschen habe.

“Weil…-”
“Nein. Schon okay. Ich glaube, ich verstehe, was du meinst.

Damit wir nichts verlieren. Nicht dieses Gefühl in unseren Bäuchen und die Gedanken aus unseren Köpfen. Damit wir nicht die ganzen Momente verlieren, in denen wir in unseren Betten liegen und uns überlegen, was wir bei unserem Wiedersehen unbedingt erzählen müssen. Und es schließlich doch nicht tun. Wir würden unseren vollkommen falschen Blick auf uns verlieren, wir wären nun nicht mehr nur Emily und Noah, die Beiden aus dem Zug. Wir würden mit jedem gemeinsamen Schritt aus dem Zug nicht nur unsere Beziehung auf irgendeine hässliche Art und Weise zerstören. Alle Illusionen, die wir beide voneinander erschaffen haben, würden genauso brutal zusammenstürzen wie die WTC-Towers am 11. September. Zwar würden hier dann nicht Millionen vor den Fernsehern diesen Zusammenbruch miterleben können. Aber wir. Ja, wir würden die Überreste, den Schutt und die Asche zu Gesicht bekommen.

Wobei wir wahrscheinlich doch nur maßlos übertreiben.

“Es wird eine Herausforderung.”, sage ich und bemühe mich, sie dabei nicht anzusehen. “Aber ja. Es wäre etwas Besonderes und zumindest einmal etwas wirklich Außergewöhnliches in meinem Leben. Damit wir eben “die aus dem Zug” werden. Emily aus dem Zug. Und Noah aus dem Zug. Bis sich unsere Freunde von …”, ich lache, “… von außerhalb daran gewöhnt haben, dass es zwischen den beiden Orten, zwischen welchen wir immer pendeln, eine gewisse Konstante gibt.”

“Und du darfst mich anrufen. Natürlich. Aber es müssen außergewöhnliche Nachrichten sein, es dürfen keine banalen Dinge erzählt werden. Es müssen Breaking News sein, über geniale Errungenschaften oder furchtbare Todesfälle. Und wenn wir mit dem Erzählen fertig sind, machen wir nicht das Spiel, wer denn hier nun auflegt. Oder fragen auch nicht nach dem Wetter oder dem zuletzt zu sich genommenen Essen. Lass uns uns bitte nicht in Banalitäten verlieren.”

Sie hat Recht. Mal wieder. Emily baut zwar für unsere Beziehung eine beinahe erschreckende Mauer auf, mit all diesen Bedingungen. Aber wie ich schon gesagt habe: Es ist eine Herausforderung, und … Leute, ich liebe Herausforderungen. Vor allem solcher Art. Emily ist kein Kontrollfreak, nein. Sie ist “Bewahrerin des Guten”, “Realitätsfantastin” oder was auch immer. Und während ich so ihren Blick aus dem Fenster beobachte, weiß ich, dass sie immer noch weiterdenkt. Weiter plant.

“Ein einziges Stück des Anderen darf man sich in die Außenwelt mitnehmen. Jetzt sofort. Gib mir ein Stück, was du gerade dabei hast, und vielleicht nicht unbedingt sofort wieder brauchst.”

Ich fasse zielsicher in meine Tasche hinein und krame es hervor, mein uraltes Handyfeuerzeug, welches ich damals als Zwölf-, Dreizehnjähriger unbedingt haben wollte, zu feig, um selbst zu rauchen, zu dumm, um einzusehen, dass Feuerzeuge ansonsten relativ unnütz sind. Sie lacht, als ich es ihr in die Hand drücke. Von ihr bekomme ich ein kleines Stofftier. Ihr wisst schon, ein solches, welches jedes Mädchen zwischen dreizehn und siebzehn an der Schultasche hängen hat. Von einer Sicherheitsnadel durchstochen, mit Watte vollgestopft.

Mit all ihren Ideen baut Emily eine gewisse Magie auf. Eine Magie, die unsere Beziehung einzigartig macht. Diese Magie verlangt zwar von beiden Menschen sehr viel, aber wenn  einem die Freundschaft wichtig ist, ist man bereit, so viel zu geben. Okay, ich habe schon oft Enttäuschungen in diese Richtung erlebt. Ungleiche Anstrengungen hauen nicht nur eine Beziehung aus dem Gleichgewicht, sondern manchmal auch den Glauben an das Gute im Menschen. Aber … Emily wird doch wohl wissen was sie tut.

“Darauf müsse wir anstoßen.”, sage ich und beginne in meiner Tasche zu wühlen, werfe Emily eine Flasche Eistee zu und nehme mir meine Wasserflasche raus.

“Auf uns.”
- “Nicht nur das, Emily. Auf uns, auf diesen Zug, auf diese eine Stunde.”
“Prost.”
- “Prost”

Wir müssen lachen, ist es doch ein sehr schräger Moment in diese ungewohnte Feierlichkeit hinüberzuschwanken. Aber damit haben wir es besiegelt. Haben besiegelt, dass wir bis auf Weiteres unsere Freundschaft, unsere Beziehung auf diesen Zug beschränken. Auf dass wir weiter mutig alleine durch die Ruinen dieser Welt da draußen stapfen und hier drinnen die Pläne entstehen lassen, um die Welt schließlich doch noch vor dem endgültigen Abgrund zu bewahren. Unsere Welt natürli

 

Posted
February 8th, 10:34am 0 comments

Wir müssen das nicht tun

Media_httpfarm5static_xldqi

"Ich weiß noch immer viel zu wenig über dich.", murmle ich, als ich wolle ich dich nur sehr ungern unterbrechen. Aber du hast schon vor Minuten aufgehört zu sprechen. Vielleicht habe ich mich diesem Satz irgendwie gefürchtet. Ich weiß noch viel zu wenig über Emily. Bisher haben wir immer nur so knapp an unserem "richtigen" Leben vorbeigeschrammt. Hier mal Erzählungen aus meiner Woche in Wien, da mal kurze Informationen über ihr Wochenende. Mehr war da nie. Und doch will ich es unbedingt wissen.

"Okay. Du hast Recht. Dafür musst du mir auch einiges über dich erzählen.

Gut. Das war ein Deal. Ich hatte kein Problem damit, über mich selbst zu sprechen. Manchmal bemerke ich selbst, dass ich mich nur zu gerne selbst reden höre. Ich mag meinen Erzählstil, irgendwie.

"Also. Wie machen wir das jetzt."
Sie lächelt. "Komm. Stell' mir Fragen. Und ich mach' es ebenso."

Emily hat immer gute Vorschläge, habe ich das schon erwähnt? In meinem Kopf klappere ich alles schon nach dem perfekt passenden Fragebogen ab.

"Hast du schon einmal zu jemanden "Ich liebe dich" gesagt?" - Wow. Gute erste Frage, Noah.
- "Hm. Nein. Ich habe es schon ein Mal gefühlt, aber mich nie gewagt, es zu sagen. Im Nachhinein ist es gut so. Und ... und du?"
"Ja. Habe ich. Damals. Erste große Liebe, du weißt schon. Manche würden sagen, ich wäre damit zu früh dran gewesen. Und den Stempel darauf erhielt ich auch erst Wochen danach, als sie es zu mir ebenfalls sagte, unter Tränen. Und ja, ich habe sie geliebt. Vielleicht war es diese jugendliche, ganz einfache Liebe, aber ja. Es war Liebe."

Stille. Ach. Ich bin ja muss ja jetzt wieder etwas fragen
"Du hast einen Bruder, stimmts?"
- "Mhm. Ja. Haben wir darüber schon mal gesprochen?"

Nein, haben wir nicht. Sie hat es nur in so manchen Gesprächen zuvor anklingen lassen. Ich bin gut darin, Gespräche zu führen und in Gedanken all die gesprochenen Worte auseinander zu bauen und zu einem schöneren Bild wieder zusammenzuwürfeln.

"Ich habe eine Schwester. Und hätte einen Bruder."
- "Wie?"
"Totgeburt. Vier Jahre bevor ich zur Welt kam."
- "Oh."

Kein Wort zuviel. Hach, meine Emily.

"Mhm. Und manchmal frage ich mich, ob es mich überhaupt geben würde, hätte er die Chance bekommen, zu leben. Aber ... auch wenn ich ihn leider nie kennenlernen durfte, so verbindet mich doch irgendwie ganz viel mit ihm."
- "Das ist schön. Und wie verstehst du dich mit deiner Schwester?"

Ui. Unschönes Thema.
"Es herrscht Funkstille. Und nein, lass' uns bitte nicht darüber sprechen, okay?"
- "Okay."

Sie sieht mich an, lächelt, beinahe so als würde ihr eine sehr schöne Frage auf der Zunge liegen.

"Noah. Was sind deine größten Träume?"
Ich grinse. Soll ich jetzt wirklich so weit ausholen? "Ich möchte Geschichten erzählen, Bücher schreiben, möchte meine 15 Minuten Ruhm genießen. Möchte mich auf die Suche nach meine Talente begeben, so viel wie möglich einfach nur ausprobieren, um zu sehen, wie gut ich bin. Und ich möchte endlich einmal einfach nur Leben, ohne mir Gedanken um Vergangenheit,  Zukunft oder die Gegenwart zu machen."

Ich bin ein furchtbarer Mensch. Überlege meist jeden Schritt durch, kann so betrunken oder auf Drogen sein, trotzdem bleibt mein Gehirn so scharf, dass ich alles in der richtigen Ordnung sehen will. Ich küsse kein hübsches betrunkenes Mädchen, selbst wenn sie mir liebevoll den Kopf tätschelt und beinahe schon gegen die Wand drückt, nur weil sie mir Wochen davor von ihrem Freund erzählte. Wenn ich da einfach nur mal hineinleben könnte, ohne an irgendwelche Konsequenzen denken zu müssen, wäre es schon großartig.

"Ich ... ich möchte reisen. Möchte die Welt sehen. Menschen kennenlernen und beginnen auch lieben zu lernen. Und ich möchte irgendwann einmal eine Familie gründen. In irgendeiner typisch amerikanischen Vorstadt wohnen, wo meine Kinder mit dem Fahrrad die lange breite Straße entlang fahren können und. Hm."
- "Du hast schöne Träume."

Und schöne Augen. Ich habe sie beobachtet, als sie von ihren Träumen erzählte, wie sie im Gedanken schon am Garten dieses Vorstadthäuschens stand und nur ungern wieder in diesen Waggon zurückkehren wollte.

"Was ist dir öfter passiert? Bist du öfter abgewiesen worden oder hast du öfter abgewiesen?"
Sie grinst. "Ich habe öfter abgewiesen, ja. So grob hochgerechnet müsste das stimmen. Und selbst?"
"Bei mir hält es sich irgendwie die Waage. Ich wurde schon ein paar Mal so richtig abgewiesen und musste selbst schon so manches Mal in diese böse Rolle schlüpfen."
- "Böse Rolle?"
"Mhm. Ich hasse es, das Arschloch zu sein. Ich weiß, wie man sich in dieser unguten Rolle des Abgewiesenen fühlt. Und deswegen hasse ich es, selbst diese Herzensbrecher zu sein, der Typ, der meint, dass es nicht passen würde, dass das wohl nichts wird. Ich versuche da stets so human wie möglich umzugehen, und weiß trotzdem, das ich jemanden wehtue."
- "Aber das fühlt doch jeder. Jeder Mensch wird abgewiesen und weist ab. Das ist doch Menschlichste, einmal auf der einen, einmal auf der anderen Seite zu stehen. Zu leiden und Leid auszuteilen."
"Ja, schon. Aber fühlst du dich gut dabei? Oder rächst du dich für das eine gebrochene Herz bei einer anderen unschuldigen Person?"

Frage ich sie und ziehe nachdenklich meine Augenbrauen hoch. Sie lächelt und schaut mir mit ungeahnter Intensität entgegen. Es reicht wohl mit Fragen. Beginnen wir wieder unsere Nähe zu genießen. Ohne Worte, mit gelegentlichem Blickkontakt und bewegenden Mundwinkeln. Ohne Worte und inmitten des Zuges. Unseres Zuges. 

 

Posted
January 24th, 4:02pm 0 comments

Mosaik

Hier tauche ich wieder mal auf, zwischen all den Prüfungen und Arbeiten, die schon geschrieben wurden oder mir noch bevorstehen. Und auch wenn ich mit den Nerven mitunter schon richtig am Ende bin, haben mich diese letzten Tage bei Volle Distanz. Näher zu dir wirklich weitergebracht. Genauer betrachtet und Nacht, zwei Mosaik-Stückchen meines in Arbeit befindlichen Buches empfingen auf Neon|Wilderness großes Lob. Genau jene Art von Lob, die mich anspornt und manchmal auch ganz einfach meine Gedanken anregt.

Meine Geschichte wurde weitergedacht. Wichtige Wendepunkte wurden auserkoren. Das Bild wird klarer. Sehr schön.

Posted
January 21st, 2:34pm 0 comments

Nacht

Media_httpfarm5static_yloos

"Was ist das hier eigentlich für dich?"
- "Hm? Was?"
"Das hier. Was ist das für dich?"

Ich war gerade irgendwo auf Gedankenausflug.

"Hm."

Ein kurzer Moment des Nachdenkens wird mir hier wohl gestattet sein.

"Es ist schwer zu sagen. Es ist etwas ... Besonderes."

Emilys Blick zeigt mir an, dass sie sich hier eine ausführlichere Antwort wünscht.

"Es ist deshalb etwas Besonderes, weil irgendwie alles so vollkommen anders passiert ist, als ich es mir jemals vorstellen konnte. Dieser Zufall, als du zufällig mir gegenüber Platz genommen hast, und der Schaffner uns erst so richtig zusammenführte, die anfänglichen Gespräche, die schon damals über den normalen Smalltalk hinausgehen. Dann die Wiedersehen, egal ob sie nun zufällig oder von irgendjemanden von uns beiden gewollt waren. Immer wieder dein Lächeln und meine Freude darüber. Wir haben uns vom ersten Moment an total anders verhalten, als Menschen, die sich gerade das erste Mal sehen. Ich bin so etwas eigentlich nicht gewohnt."
- "Hm."

Sie kämpft sich gerade die Worte zusammen, versucht sie in der richtigen Reihenfolge rauszupressen.

"Und ... und was empfindest du für mich?"

Es ist ja nicht so, dass wir darüber nicht schon Mal ansatzweise gesprochen haben. Aber wir haben uns nie darüber ausgesprochen. Und ließen immer dieses Mysteriöse zwischen uns.

"Bitte lache nicht. Aber ich habe mich ungefähr auf den dritten Blick in dich verliebt. Fand deine Art damals so ... ja, besonders. Du stelltest den Gegenpol für meine Schüchternheit dar. Ich mochte deine Stimme, dein Lächeln, war richtig stolz, wenn ich einen guten Witz loslassen konnte. Dann sahen wir uns immer wieder, und immer wieder kribbelte es auch. Wir schütteten unsere Gefühle aus, erzählten aus unseren Leben. So oft hast du mich aufgefangen, als ich mich kopfmäßig ins Nichts stürzte, und so viele Male habe ich versucht, dich aufzufangen.

Bei dir verspürte ich eine ungeahnte Nähe. Eine zauberhafte Behutsamkeit, eine seltene Liebe. Und schon befand ich mich in dieser Zwickmühle ... ja, ob es denn wirklich Liebe war, oder ob es nur eine wunderbare neue Art der Freundschaft ist. Eine Freundschaft, beschränkt auf eine Stunde pro Woche und einen Waggon in dieser riesigen Welt. Ich wollte nichts zerstören, deswegen habe ich auch nie versucht, dich zu küssen. Ich genoss einfach, wenn du auf meiner Schulter einschliefst, oder mir mit deinem wundervollen Enthusiasmus aus deinem Leben erzähltest. Und würde die Liebe überhaupt bestehen können, wenn wir unsere Beziehung, so wie sie jetzt ist, weiterführen würden? Ohne uns in der ... Außenwelt zu treffen?

Denn damit hätten wir genau das verloren. Das, was es so unglaublich machte. So bewundernswert anders als all die anderen Beziehungen, die man eben so kennt. Wir wären nicht mehr das Paar aus dem Zug, das schon vom Schaffner mit einem Lächeln begrüßt wird. Wir wären genau wie all die Anderen. Wir würden die Beziehung der realen Welt zum Fraß vorwerfen, wir wären normal. Deswegen habe ich versucht, diese kribbelnde Liebe in etwas Anderes umzuwandeln. Und so liebe ich dich eben auf eine andere, neue Art."

"Und." Wortsammlerei. "Und bitte frag' du mich. Frag' du mich, was ich für dich empfinde."
- "Na dann. Was (an diesem Moment muss ich plötzlich etwas schlucken) ... was empfindest du für mich?"

"Ich ... ich könnte jetzt auch von ganz vorne anfangen. Aber nein. Du kennst mich. Mir kommt es doch immer aufs Hier und Jetzt an. Also ... ich ... ich glaube, ich habe mich in dich verliebt. "

Habe ich das erwartet? Nein.

"Ich hab' mich in dich verliebt, als du mir damals diese Haarsträhne aus dem Gesicht wischtest, und damals, als ich dir die Träne von der Wange tupfte. Ich habe mich gerade eben in dich verliebt, als du mir zeigtest, dass du dir so viele Gedanken über uns gemacht hast. Und jetzt steh' ich hier. Und komme auf den selben Gedanken wie du. Verdammt. Ich will doch auch nichts zerstören."

"Müssen wir es? Müssen wir denn etwas zerstören?"

Ja, so bin ich. Anfangs vom Schlimmsten ausgehen, um sich anschließend doch noch ein paar Lösungswege zu überlegen. Es wird hier doch wohl etwas geben, dass nicht alles kaputt macht.

Emily hat sich neben mich gesetzt. Legt ihren Kopf auf meine Schulter und aus dem Augenwinkel heraus bemerke ich eine kullernde Träne.

"Ach, Emily. Komm. Wir sind etwas Besonderes, das weißt du doch. Warum sollten wir nicht auch so etwas schaffen?"

Kaum zu glauben, dass ein Liebesgeständnis so viele Probleme erzeugen kann. Ist vielleicht doch das ganze Setting unserer Geschichte für nichts und wieder nichts aufgebaut worden? Klammern wir uns hier nur krampfartig an etwas fest, was sowieso in Kürze zu verfallen droht?

Sie dreht den Kopf zu mir hoch, und ihre Lippen beginnen die meinen zu berühren. Das ist er, unser erster Kuss. Hoffentlich ist hier irgendein Gerichtssaalmaler, der diesen Moment in aller Skizziertheit für unsere Postkarte festhalten kann. Sanft streiche ich ihr mit einer Hand über den Hinterkopf.

Es wird schräg werden, anders als gewohnt, anders als wir es uns vorstellen. Aber jetzt bin ich mir sicher. Und Emily scheinbar ja auch. Wir werden es versuchen.

Posted
January 17th, 2:02pm 0 comments

Genauer betrachtet

Media_httpfarm3static_dudnr

"Und du glaubst mir nicht, nicht wahr?"

Aus Emilys Gesicht war die Unbesorgtheit schlagartig verschwunden. Nein, ich glaube ihr nicht. Ich bin wütend, in mir brodelt es. Wie konnte sie mir das alles nur antun? Mir so viel zu verschweigen? Mich so nebensächlich abzuhandeln.

"Nein. Natürlich nicht."

Stille kehrt ein. In diesem Zugabteil, welches trotz einer Unmenge an anderen Menschen gerade so ungewohnt leer wirkt. So als würden nur sie und ich hier sitzen. Emily und Noah am Ende eines Traumspazierganges. Am Ende des Lebens ohne Probleme. Auch, wenn all das nur in der Retrospektive so einfach aussieht. Wir hatten von Beginn unserer außergewöhnlichen Bekanntschaft Probleme, die wir aber bisher einfacher zu verstecken wussten. Zu ignorieren. Und jetzt sind wir hier, mit all dem Schutt und der Asche und den Tränen.

"Ich ..."

Eine Entschuldigung?

"Ich ... ich kann nicht mehr."

Das sind auch mal unerwartete Worte.

"Wochen-, nein, monatelang haben wir uns immer hier getroffen. Haben uns durch Zufall kennengelernt, haben unsere Gefühle ausgeschüttet, als wir noch nicht mal unsere Namen kannten. Haben begonnen, aus Bekanntschaft einen Freund und in ebenso schnellem Tempo Liebe zu machen. Wir haben nicht daran gedacht, dass es auch außerhalb ein Leben gibt.

Ja, ich habe dir viele Dinge nicht erzählt. Ich habe sie nicht für interessant befunden, habe nicht gedacht, dass sie dich auch nur in irgendeiner Art und Weise interessieren. Ich habe mich stets auf dich eingelassen, diese eine Stunde. Habe sehnlichst darauf gewartet, dass der Zug einfährt und ich dich an diesem angestammten Platz finde.

Und in dieser so ungewöhnlichen ..."

Ja, da hat sie Recht. Unsere Beziehung war darauf aufgebaut. Auf dieser Ungewöhnlichkeit, die für uns vielleicht erst diesen Reiz ausmachte.

"... so ungewöhnlichen Beziehung passiert eben mal auch irgendein verdammter Fehler. Wir sind beide nicht perfekt, genau das hast du selbst ja schon einmal gesagt. Und dann küss' ich eben mal diesen Typen."

Eben mal. Was ist das nur schon wieder für ein Ausdruck.

"Und du selbst hast gesagt, dass du mich nicht einengen willst. Und genau du hast gesagt, dass du nichts von der Ewigkeit hältst."

Ich bin sprachlos. Natürlich möchte ich niemanden einengen und hasse die Ewigkeit. Aber ist das Grund genug jemand anderen zu küssen? Oder reagiere ich hier einfach maßlos über? Aber auch Emily erkennt den falschen Weg den sie mit ihren Worten eingeschlagen hat.

"Es ... es tut mir Leid."

Ich bin wütend. Und um sie nicht weiter anstarren zu müssen, um nicht weiter ihren Worten lauschen zu müssen, lege ich meinen Kopf auf das Zugfenster, lasse die Welt da draußen vorbeiziehen, und versuche mich auf die Stille, auf das Vakuum in meinem Kopf zu konzentrieren. Es ist wohl an der Zeit, wieder etwas ruhiger zu werden.

"Die Fahrkarten, bitte."

Der Schaffner, dieser werte Herr mit seinem wechselnden Aussehen und Auftreten, schafft in dieser, meiner Geschichte immer die schönsten und passendsten Auftritte. Ich drehe mich zu ihm um, lasse kurz meinen Blick mit Emilys treffen. Reiche ihm mein Ticket und möchte mich wieder gegen das Zugfenster fallen lassen. Aber ich kann nicht. Beginne zu lächeln und suche den Blick von Emily. Seit unserer ersten Begegnung schafft es dieses Ritual jedes Mal wieder, ein Lächeln auf unsere Lippen zu zaubern. Sie blickt auf, etwas bedrückt. Und für die kurzen Sekunden dieses Lächelns ist alles wieder perfekt.

Ich setze mich neben sie, greife ihre Hand und lege meinen Kopf auf ihre Schulter. Flüstere ganz leise "Sag nichts. Sag einfach gar nichts." - "Ich liebe ihn nicht.", sagst sie und von mir kommt nur noch ein leises "Psscht." Ich will es nicht wissen.

Aus einem unbekannten Kapitel aus der Mitte des Buches. Ein Fortschritt ohne Sorge ums Nachkommen.

Posted